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28. Brandenburgische Frauenwoche

Frauenwoche
"Selber Schuld"

Provozierend, herausfordernd und auch eine Anregung zur Sensibilisierung und Kommunikation von frauenrelevanten Themen. „Selber Schuld“ hören Frauen wenn es um Gewalterfahrungen, Lohnungleichheiten, Altersarmut oder ungleiche politische Teilhabe geht. Die 28. Brandenburgische Frauenwoche will mit ihrer thematischen Untersetzung die Diskussion um die Benachteiligung von Frauen und Mädchen in unserer Arbeits- und Lebenswelt anregen.

Seit 1911 „feiern“ Frauen den "Internationalen Tag der Frauen", an dem weltweit auf Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Damals waren 1/3 aller Erwerbstätigen Frauen, ihre Erwerbsarbeit war eine schlecht qualifizierte und auch eine schlecht bezahlte. Hausfrau und Mutter sollte jede Frau werden, aber die Anerkennung als gleichberechtigtes ökonomisches Wesen gab es nicht.

Der Anteil von Frauen und Männern an der Weltbevölkerung ist ungefähr gleich. Derzeit leben etwa 3,74 Milliarden Frauen und 3,81 Milliarden Männer auf der Erde. Der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag genannt – wird inzwischen stets am 8. März gefeiert und ist für Frauen auf der ganzen Welt ein wichtiges Datum. In einigen Ländern ist er sogar gesetzlicher Feiertag. "Heraus mit dem Frauenwahlrecht!" war die Hauptforderung der "Mütter" des Internationalen Frauentags.

In Deutschland wurde das Frauenwahlrecht 1918 im Reichswahlgesetz verankert. Im Januar 1919 konnten deutsche Frauen das erste Mal in der Geschichte wählen und gewählt werden. Als erste Frauen in Europa besaßen 1906 Finninnen dieses Recht.

Frauenrechte waren nie selbstverständlich und mussten oft hart erkämpft werden. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ – so sagt es das Grundgesetz. 1949 definiert und verkündet aber bis zum heutigen Tag immer wieder auf dem Prüfstand und immer wieder eingefordert.

Gerade im Berufsleben zeichnen sich viele Ungleichheiten ab. Insbesondere der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen ist ein Indiz für mangelnde Gleichbehandlung. Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern in Deutschland ist eines der größten in Europa. Weibliche Beschäftigte bekommen für ihre Arbeit durchschnittlich 21 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Das heißt, für jeden Euro, den ein Mann verdient, erhält eine Frau lediglich 79 Cent. „Selber Schuld“?! oder wäre nicht ein erster wirksamer Schritt gegen diese Benachteiligung die finanzielle Aufwertung frauendominierter Berufe. Die häufige Inanspruchnahme von Teilzeitbeschäftigung und geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen durch Frauen und ihre geringe Vertretung in Führungspositionen sind dabei ein weiterer Aspekt.

„Selber Schuld“?! - auch wenn es darum geht, dass Frauen eine höhere Armutsgefährdungsquote aufweisen. Am gravierendsten zeigt sich die Ungleichheit bei der Armutsrisikoquote von Alleinerziehenden, diese beträgt 43,8%. Alleinerziehende sind zu über 90% Frauen.

Bei Frauen wirken zusätzliche Ausgrenzungsmechanismen, sie sind diejenigen die sich in der Betreuungspflicht gegenüber Kindern und Familienangehörigen sehen, dadurch haben sie einen erschwerten Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Sind Frauen „Selber Schuld“?
  • wenn sie Opfer von Gewalt werden, weil sie den Rock zu kurz trugen,
  • wenn sie im Interesse der Familie eine Auszeit nehmen oder verkürzt arbeiten und dadurch berufliche Nachteile hinnehmen,
  • wenn sie in deutschen Führungsetagen deutlich unterrepräsentiert sind,
  • wenn sie in Berufen tätig sind, die schlecht bzw. nicht auskömmlich bezahlt werden,


Liebe Frauen,

ich wünsche uns die nötige Portion Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen um unsere Zukunft relativ optimistisch, angstfrei, sorglos und unbekümmert entgegen zu gehen. Auch wenn der eine oder andere Mann, aber auch die eine oder andere Frau meint: Immer wieder die gleichen Themen – Frauen verdienen weniger, Frauen sind schlechter bezahlt, Frauen leisten überwiegend die Care-Arbeit, Frauen sind seltener Chef/in. Die Realität zeigt, dass wir die Diskussionen weiterführen müssen. Chancengleichheit ist noch lange nicht im Alltag angekommen. Lasst uns nicht Müde werden auf, leider immer noch bestehende strukturelle Benachteiligungen der Frauen, hinzuweisen und diesen die „Stirn zu bieten“.

Mitten in der Brandenburgischen Frauenwoche finden auch in vielen unserer Einrichtungen kleinere und größere Events statt. Für die Vorbereitungen und die Durchführung eurer Veranstaltungen wünschen wir viel Energie und Schwung. Nutzt die Möglichkeiten des Austausches, schmiedet Pläne und fasst neue Ziele ins Auge.

Im Namen des Vorstandes möchte ich allen Frauen für eure/Ihre Mitwirkung und Einsatzbereitschaft danken. Den Mittelpunkt, insbesondere am 08. März, haben wir uns mehr als verdient und da soll auch anständig gefeiert werden.

Herzlichen Glückwunsch zum Weltfrauentag!

Mit vielen Grüßen und den besten Wünschen im Namen des Vorstandes

Inga-K. Ackermann
(Landesvorsitzende)